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Das Geschäftsjahr 2023

Sparkassen verzeichnen starken Rückgang im Kreditgeschäft

Die herausfordernden Rahmenbedingungen des Jahres 2023 haben die Menschen und Unternehmen spürbar verunsichert. Das hat insgesamt zu einer niedrigeren Konsum- und Investitionsbereitschaft geführt – und daraus resultierend zu einem deutlichen Rückgang im Kreditgeschäft der Sparkassen in Westfalen-Lippe. 

Im Überblick skizziert: Die Darlehenszusagen brachen regelrecht ein und reduzierten sich von 23,5 Mrd. € um 31 % auf 16,2 Mrd. €. Die Kreditbestände legten nur noch um 1,9 % auf 116,7 Mrd. € zu. Die aggregierte Bilanzsumme der 47 Sparkassen in Westfalen-Lippe reduzierte sich leicht um 0,6 % auf 165,0 Mrd. €. 

Bei der Geldanlage haben die Kundinnen und Kunden der Sparkassen erkannt, dass es renditestarke Alternativen zum Einlagengeschäft gibt und haben verstärkt in lukrative Wertpapiere umgeschichtet. Am größten war die Nachfrage nach festverzinslichen Wertpapieren. Hier stieg der Nettoabsatz um mehr als das Doppelte auf 2,9 Mrd. € an. 

Um die Details über das Geschäftsjahr 2023 der westfälisch-lippischen Sparkassen zu erfahren, klicken Sie einfach rechts auf die Überschriften. Festzuhalten bleibt noch: Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen ist es den Instituten gelungen, ein auskömmliches Jahresergebnis zu erzielen. Auch hierzu finden sich mehr Details auf den folgenden Seiten.

Erstmals seit
19 Jahren kein
Bilanzsummenwachstum

Die aggregierte Bilanzsumme der 47 Sparkassen in Westfalen-Lippe reduzierte sich leicht von 166,0 Mrd. € um 1,0 Mrd. €. bzw. 0,6 % auf 165,0 Mrd. €. Nach 19 aufeinanderfolgenden Wachstumsjahren gestaltete sich die Bilanzsumme damit erstmals wieder rückläufig, wenn auch nur geringfügig. Gemessen an der Bilanzsumme beträgt die durchschnittliche Größe einer westfälisch-lippischen Sparkasse nunmehr 3,5 Mrd. €.

Bilanzsumme geht leicht zurück

Firmenkunden:
Rückläufiges Neugeschäft bei Unternehmenskrediten

Der Kreditbestand der Firmenkunden stieg im Jahr 2023 um 3,3 % auf 63,2 Mrd. € an.
Die schwache Konjunktur, das insgesamt unsichere wirtschaftliche Umfeld und gestiegene Kreditkonditionen führten jedoch zu einem außergewöhnlich starken Rückgang im Kreditneugeschäft mit Unternehmen von fast 30 %. Die Summe der Darlehenszusagen summierte sich auf 9,6 Mrd. € (Vorjahr: 13,6 Mrd. €).

Viele Firmen wären durchaus bereit, in die dringend notwendige Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit und Digitalisierung zu investieren – wären da nicht zu viele hohe Hürden wie die überbordende Bürokratie, der Fachkräftemangel und die hohen Energiekosten.

Starker Rückgang bei der Kreditnachfrage (-29,4 %)

Privatkunden:
Kaum Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten

Die Darlehenszusagen an Privatkunden insgesamt summierten sich auf 5,7 Mrd. €, 38,8 % weniger als im Jahr 2022. Das liegt in erster Linie an der Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten, die geradezu eingebrochen ist.

Hohe Bau-, Grundstücks- und Immobilienpreise, gestiegene Kreditzinsen und Reallohnrückgänge aufgrund der hohen Inflation führten dazu, dass es kaum Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten gab. Dazu kam, dass kaum ein verlässlicher Zugriff auf Fördermittel für den Wohnungsbau möglich war, ohne die viele Menschen ihre Neubau- oder Sanierungsvorhaben nicht realisieren können.

Kaum Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten

Sparquote auf hohem Niveau / Wertpapiergeschäft im Fokus der Anleger

Die Sparquote liegt mit 11,4 % des verfügbaren Einkommens etwas über dem Vorjahreswert von 11,1 %. Damit bewegt sie sich deutlich über dem langjährigen Durchschnitt der vorpandemischen Jahre von 10,5 %.

Die privaten Haushalte verringerten ihre Einlagenbestände im Jahr 2023 deutlich. Das hat mehrere Gründe: Zum einen waren besonders Haushalte mit kleineren Einkommen darauf angewiesen, mit Ersparnissen ihren Konsum mitzufinanzieren. Auf der anderen Seite rückten steigende Zinsen Wertpapiere in den Fokus der Privatpersonen. Viele unserer Kunden schichteten Einlagen in festverzinsliche Wertpapiere um.

Sparquote liegt deutlich über langjährigem Durchschnitt

Geld­vermögensbildung

Die Geldvermögensbildung der Privatkunden ging innerhalb eines Jahres von 4,8 Mrd. € im Vorjahr auf 849 Mio. € zurück. Die Gründe sind zum einen die inflationsbedingt gesunkene Sparfähigkeit vieler Privathaushalte und zum anderen die zunehmende Präferenz für das Wertpapiergeschäft. Der Rückgang bei den Einlagen von 2,1 Mrd. € wurde durch den Anstieg des Wertpapierabsatzes auf 3,1 Mrd. € mehr als ausgeglichen.

Wertpapiere standen im Mittelpunkt der Geldanlage

Jahresergebnis

Steigerung im Zins- und Provisionsgeschäft

Der Zinsüberschuss stieg nach den Leitzinsanhebungen der EZB um 581 Mio. € bzw. 24,4 % auf rund 3 Mrd. € an. Margensteigerungen auf der Einlagenseite standen dabei Margenrückgänge im Kreditgeschäft, in dem die Nachfrage rückläufig stark rückläufig war, gegenüber.

Der Provisionsüberschuss erhöhte sich um 42 Mio. € bzw. 3,9 % auf 1,1 Mrd. €. Hier wirkten sich neben den Erträgen aus dem Giro- und Kartengeschäft in erster Linie die Erträge aus dem sehr guten Kunden-Wertpapiergeschäft positiv aus.

Tariflohnerhöhungen und Inflation führen zu gestiegenem Verwaltungsaufwand

Der Sachaufwand der westfälisch-lippischen Sparkassen ist um 4,0 % auf 791 Mio. € gestiegen. Ursachen dafür sind höhere Kosten für Energie- und Betriebsmittel. Zudem sind die IT-Aufwendungen durch die fortschreitende Digitalisierung weiter angestiegen. 

Der Personalaufwand für die 21.455 Beschäftigten stieg infolge der Tariflohnanhebungen im öffentlichen Dienst kräftig um 4,3 % auf 1,4 Mrd. € an. Erfreuliche Nachricht: Die Sparkassen konnten im Vergleich zum Vorjahr 17 % mehr junge Menschen einstellen, die den Beruf der Bankkauffrau bzw. des Bankkaufmannes erlernen möchten. In Zahlen sind das 547 neue Auszubildende, 78 mehr als 2022.

Die 47 Sparkassen in Westfalen Lippe stellen in 586 Geschäftsstellen flächendeckend die Versorgung der Menschen mit Finanzdienstleistungen sicherstellen. Darüber hinaus unterhalten die Sparkassen in Westfalen-Lippe 466 Selbstbedienungsstellen (SB) und 2.113 Geldautomaten in der Region.

Sparkassen können Betriebsergebnis steigern

Das Betriebsergebnis vor Bewertung belief sich auf 1,9 Mrd. € oder 1,18 % der Durschnitts-Bilanzsumme (Vorjahr 0,85 %). Das entspricht einer absoluten Steigerung von 537 Mio. €.

Cost-Income-Ratio: Sparkassen arbeiten sehr effizient

Eine wichtige Kennzahl ist die Cost-Income-Ratio: Sie liegt bei 53 %. Die Sparkassen in Westfalen-Lippe wenden also 53 Cent auf, um einen Euro zu erwirtschaften. Das ist ein im Branchenvergleich hervorragender Wert.

Höhere Risikovorsorge im Kreditgeschäft

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen haben im vergangenen Jahr einen deutlichen Sprung nach oben gemacht. Die herausfordernde wirtschaftliche Lage führt dazu, dass die Sparkassen eine höhere Risikovorsorge im Kreditgeschäft betreiben. Die Sparkassen in Westfalen-Lippe haben ihre Vorsorge im Bewertungsergebnis Kreditgeschäft angepasst und von 53 Mio. € auf 276 Mio. € angehoben.

Nachdem im Jahr 2022 im Bewertungsergebnis Wertpapiergeschäft Abschreibungen in Höhe von 678 Mio. € notwendig waren, konnten im Jahr 2023 Zuschreibungen von 186 Mio. € ausgewiesen werden.

(Datenstand Jahresergebnis: 19. April 2024)